Alumni-Treffen: Warum es sich lohnt, hinzugehen

Von der Allwissenden Mutter geistig genährt, dann entwöhnt und trotzdem die Nabelschnur nie durchschnitten: Zugegeben, eine recht freizügige Interpretation von „Alumni“* einer „Alma Mater“ *, aber dennoch nicht ganz abwegig. In Englands Elite-Einrichtungen Cambridge und Oxford ist es bereits seit dem 13. Jahrhundert Usus, als Absolvent einer Universität dieser auch später treu ergeben zu sein, sich mit Spenden für die genossene Bildung zu bedanken, dort geknüpfte Verbindungen ein Leben lang zu pflegen.

Im 19. Jahrhundert hielt diese Tradition auch in den US-amerikanischen Hochschulen Einzug. Aufgrund des anders gelagerten Sozialsystems gehört es dort ebenfalls zum guten Ton, sich nach Beendigung des eigenen Studiums mit finanziellen oder anderen Zuwendungen zu engagieren.

 

Allein die Uni Yale freut sich über 40.000 bis 50.000 Spender – jährlich. Unter ihnen sind nicht nur Millionäre, doch in der Zielsetzung befinden sie sich alle auf der gleichen Ebene: Sie wollen helfen, den Fortbestand der Bildungseinrichtungen für die nachfolgenden Generationen zu sichern. Der Erhalt des wechselseitigen Wissenstransfers zwischen den Hochschulen und den Absolventen – gleichbedeutend für Theorie und Praxis – stellt inzwischen auch bei uns eine weitere Intension dar.

 

Austausch von Wissen und Erfahrungen

In Deutschland wurde diese Idee – nicht zuletzt unter marketingtechnischen Aspekten – erst vor wenigen Jahrzehnten aufgegriffen. Hier wird versucht, Ehemalige für diverse Engagements zu gewinnen. Sei es, dass sie ermutigt werden, einen Alumni-Club oder -Verein zu gründen – sofern noch keiner besteht –, oder in entsprechenden Netzwerken aktiv zu werden. Letzteres soll Kontakte und Kompetenzen bündeln, den Dialog zwischen Forschung, Wissenschaft, Lehre und Praxis fördern und den jeweiligen Fachbereich stärken. Mit diesen Aufgaben angesprochen sind jedoch nicht nur Absolventen, sondern auch Studienabbrecher, Hochschul-Mitarbeiter sowie Lehrende und aktiv Studierende.

 

Gemeinsame Aktivitäten

Dank der modernen Kommunikationsmittel und -wege gestaltet sich die Organisation von Geselligkeiten ungleich einfacher als früher. Das können regelmäßige und/oder Jahrestreffen und Stammtische sein, Plattformen, die zum Erfahrungsaustausch, zur Kontaktknüpfung dienen. Networking im Rahmen eines gemütlichen Beisammenseins. Vortragsreihen mit Gastrednern stehen ebenfalls oft auf den Programmen der Ehemaligen-Netzwerker.

Turnusmäßig versendete Newsletter informieren die Abonnenten über aktuelle Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Studium, berichten über Mitglieder, präsentieren Firmen, publizieren Termine zu fachspezifischen Seminaren und berufsbezogenen Workshops, die entweder an der betreffenden Hochschule oder in den Unternehmen der Alumni abgehalten werden.
Gemeinsame nationale oder internationale Exkursionen, Kulturveranstaltungs-, Ausstellungs- und Messe-Besuche sowie Betriebsbesichtigungen könnten weitere Gründe sein, einem solchen Club beizutreten.

 

Dreiseitiger Nutzen

Sind Sie ein Alumnus oder eine Alumna? Dann könnten Sie den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern, Studenten bei Diplomarbeiten und Praktika unterstützen, als „Job-Angel“ Absolventen beim Berufseinstieg beraten.
Wollen Sie erst noch ein Alumnus oder eine Alumna werden, erhalten Sie als jetzt noch „Ziehkind“ vielleicht eine exklusive Campus-Führung oder Einladungen zu interessanten Vorträgen. Oder gar die ganz große Chance auf einen eigenen Mentor, der Sie mit Tipps und Tricks ausrüstet und Ihnen während des Studiums tatkräftig beisteht.

Die Hochschulen wiederum gestatten den Alumni in der Regel, die universitätsweiten Serviceeinrichtungen für sich und ihre ehrenamtliche Tätigkeit zu nutzen. Weiterhin hoffen sie, dass Kooperationsprojekte von Ehemaligen für mehr Transparenz nach außen sorgen, was idealerweise auch die Neugewinnung von weiteren „Zöglingen“ sprich Studierenden nach sich zieht.

Mehr Informationen sind auf der Website des Verbands der Alumni-Organisationen im deutschsprachigen Raum einsehbar sowie auf dem Alumniportal Deutschland.

 

*Plural von Alumnus (m) beziehungsweise Alumna (w), abgeleitet vom lateinischen Verb „alere“ – „nähren, ernähren, aufziehen, pflegen“
* Latein „alma“ – „nährend, gütig“ – sowie „mater“ – „Mutter“