Das berufsbegleitendes Studium abbrechen – ja oder nein?

Ein berufsbegleitendes Studium erfordert von Ihnen über lange Zeit einen hohen Einsatz. Der zusätzliche Zeitaufwand und die Energie, die Sie auch in Ihrer eigentlichen Freizeit für Ihren Arbeitgeber und Ihre Karriere investieren, zehren mitunter sehr an der eigenen Substanz.

Zwar soll sich das Ergebnis des Studiums später im Berufsleben positiv auswirken, doch bereits vorher sollen Sie darauf achten, sich trotz alledem nicht zu überlasten und Ihre Gesundheit oder Ihr Privatleben zu riskieren. Einige Entscheidungshilfen stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor.

Ein Studienabbruch ist kein Scheitern

Führen Sie sich vor Augen, dass der Abbruch eines berufsbegleitenden Studiums nicht bedeutet, dass Sie beruflich gescheitert sind. Bereits Ihr eigentlicher Job stellt täglich hohe Anforderungen an Sie und verlangt von Ihnen volle Aufmerksamkeit – eine zusätzliche Belastung auf Dauer von sich zu weisen ist daher verständlich. Da ein berufsbegleitendes Studium sich zum Teil über mehrere Jahre erstreckt, kann sich Ihre Lebens- und Berufsplanung auch verändern. Familiäre Veränderungen oder andere Optionen in der Berufslaufbahn können dazu führen, dass Sie Ihre Prioritäten anders setzen möchten. Entsprechend sind Sie mit Ihren Studienplänen nicht gescheitert, sondern Sie haben sich für einen anderen Weg entschieden.

 

In welchem Stadium befinden Sie sich?

Vor allem zu Beginn eines berufsbegleitenden Studiums werden Sie viele neue Aufgaben zu bewältigen haben und andere Wege des Zeitmanagements finden müssen. Nach einiger Zeit entspannt sich die Studienarbeit jedoch etwas und Sie entwickeln Routine darin, den Stoff zu erarbeiten. Verzweifeln Sie also nicht, wenn Ihnen die ersten Wochen sehr anstrengend erscheinen. Darüber hinaus sind die ersten Module häufig Grundlagen und Arbeitsmethoden, sodass der fachliche Teil Ihnen vielleicht mehr Freude bereitet. Üben Sie sich in etwas Geduld.

Das Verfassen einer Abschlussarbeit stellt Sie möglicherweise noch einmal vor die Frage, ob Sie diese Aufgabe bewältigen können. Vor allem für diejenigen, die Ihre Stärken in der Praxis verorten, kann das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben sehr schwer werden. Um nicht kurz vor dem Ziel aufzugeben, sollten Sie rechtzeitig mit der Themensuche und der Arbeit selbst beginnen. Nehmen Sie ggf. angebotene Kurse zum wissenschaftlichen Schreiben wahr und suchen Sie sich einen verlässlichen Betreuer. Möglicherweise beruhigen Sie die Hilfestellungen etwas. Schließlich sollen Ihre bisherigen Studiensemester nicht umsonst gewesen sein und Sie kommen auf diesem Weg auch zu neuer Motivation, den letzten Schritt zum Abschluss zu gehen.

Falsches Fach oder falsche Schwerpunkte?

Kommen Sie im Verlauf des berufsbegleitenden Studiums zu der Erkenntnis, dass Ihnen das gewählte Fach nicht liegt und Sie nicht das Wissen erlangen, welches Sie sich vorgestellt haben, kann ein Abbruch eine sinnvolle Konsequenz sein. Anstatt sich Kenntnisse anzueignen, die Ihnen persönlich nicht weiter helfen, können Sie sich wieder auf Ihre eigentliche Berufstätigkeit konzentrieren. Berufsbegleitende Studiengänge sind häufig sehr streng konzipiert und bieten mitunter nur wenige Wahlmöglichkeiten. Wenn der Studieninhalt wider Erwarten kaum zum Berufsalltag passt und die Belegung alternativer Module nicht möglich ist, kann das Beenden des Studiums ratsam sein.

 

Finanzielle Fragen vorab klären

Ist Ihr Arbeitgeber an der Finanzierung des Studiums beteiligt, wird er in der Regel auch daran interessiert sein, Sie nach dem Abschluss im Unternehmen zu halten. Entwickeln Sie rechtzeitig gemeinsam Perspektiven für Ihren Job um Frust im Studium zu vermeiden. Berufsbegleitend zu studieren heißt auch, einen Schritt auf eine höhere Karrierestufe zu gehen und das erlernte Wissen anzuwenden: Welche realistischen Perspektiven bieten sich für Sie? Die Entscheidung für oder gegen Ihren bisherigen Arbeitgeber liegt zwar bei Ihnen, jedoch sollten Sie auf geschlossene Verträge achten. Finanziert Ihr Unternehmen das Studium, können Sie evtl. für einen bestimmten Zeitraum an dieses gebunden sein. Auch ein Studienabbruch ist möglicherweise vertraglich geregelt. Informieren Sie sich rechtzeitig darüber, sodass Sie finanzielle Verpflichtungen kalkulieren können.

 

Privatleben nicht vernachlässigen

Work-Life-Balance ist in aller Munde und auch Sie sollten darauf achten, neben Beruf und berufsbegleitendem Studium einen Freizeitausgleich zu finden. Fragen Sie Angehörige und Freunde um Rat, wenn Sie sich unsicher sind, was Ihre zeitlichen Einschränkungen betrifft. Oft hilft der Rat Außenstehender dabei, sich selbst Überlastung und Defizite einzugestehen. Wie wirken Sie auf Ihre Freunde, welchen Eindruck hat Ihre Familie von Ihnen? Sollten diese ehrliche Bedenken äußern, nehmen Sie diese ernst und gehen Sie in sich: Ist dieses Studium das Richtige für mich oder habe ich mich damit überfordert? Achten Sie dabei auf Ihr Gefühl. Etwa 15 – 25 % der Studierenden entscheiden Sich im Übrigen für einen Abbruch. Sie sind mit Ihrem Entschluss im Zweifel also nicht allein.