Ratgeber: Finanzierung eines berufsbegleitenden Studiums

Wie finanziere ich mein Teilzeitstudium neben dem Beruf?
Wie finanziere ich mein Teilzeitstudium neben dem Beruf?

Frage: Was ist mit all den Menschen, die ganz offiziell ein Teilzeitstudium absolvieren wollen? Also hauptberuflich arbeiten und nebenberuflich studieren. Oder Letzteres gar müssen, weil sie noch eine Familie zu versorgen haben, Angehörige pflegen, vielleicht sogar selber chronisch krank sind. Mit welchen finanziellen Möglichkeiten können sie dieses Lebens- und Karrieremodell umsetzen?

Denn eine Vergabe von regulären Mitteln nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG, ist für Teilzeitstudis nicht vorgesehen. Ebenso wenig wie nach dem Meister-BAföG. Warum? Das erste „Weil“: Weil die Voraussetzungen dafür fehlen. Wer diese Förderung beantragt, darf beispielsweise noch keine abgeschlossene Ausbildung absolviert haben, nur knapp über 400 Euro monatlich verdienen. Und wehe das vorhandene Vermögen, zu dem auch der PKW gehört, überschreitet 5.200 Euro. Die Meister-Variante? Auch keine Lösung, da sie lediglich zugelassenen Lehrgängen vorbehalten ist, nicht aber für akademische Weiterbildungen.

Das zweite „Weil“ leitet die Feststellung ein, dass das Thema „Teilzeitstudium“ hierzulande nach wie vor sehr stiefmütterlich behandelt wird. Ersichtlich ist dies nicht nur an dem bislang vergleichsweise doch noch sehr mageren Angebot an den staatlichen Hochschulen und Universitäten: Von den rund 11.000 Studiengängen in Deutschland erfüllten laut einer Studie der privaten Fachhochschule für Oekonomie und Management (FOM) mit Sitz in Köln noch im Jahre 2009 lediglich zwei Prozent entsprechend angepasste Voraussetzungen. Dagegen gehören in den USA sowie in Australien und Großbritannien derlei Angebote längst zum Standard.

 

Antworten auf die Frage nach Flexibilität

Einrichtungen, die die Notwendigkeit einer Bereitstellung von flexiblen Studien-Möglichkeiten schon vor Generationen erkannt haben, sind die Fern-Institute. Das erste wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg implementiert. Es war bis in die 1960er Jahre das einzige. Erst nachdem 1974 die Fernuniversität in Hagen gegründet wurde, verfügte die Bundesrepublik mit ihr auch über eine staatliche Institution mit akademisch ausgerichteten Angeboten. Und sie gehört zu den Einrichtungen, die in Zusammenarbeit mit dem BMBF einmal jährlich das sogenannte „Deutschland-Stipendium“ vergeben. In diesem Rahmen erhalten 15 Studierende 12 Monate à 300 Euro Unterstützung. Eine anschließende Neubewerbung, um ein weiteres Jahr in den Genuss zu kommen, ist möglich.
Dennoch ist sie keine Volluniversität, da manche Fächer, wie zum Beispiel Medizin, nicht wirklich als Fernstudium absolviert werden können. Trotzdem ist sie mittlerweile auch die größte Uni Deutschlands: Im Wintersemester 2013/2014 zählte sie mehr als 80.000 Studenten.

 

Bildung hat ihren Preis

Die Nachfrage nach freien Plätzen an teilzeit-flexiblen Bildungseinrichtungen war aber noch weitaus größer. Also zogen mehr Institutionen nach. Deshalb auch kann sich hierzulande die Hamburger Fern-Hochschule (HFH) mit ihren inzwischen über 10.000 eingeschriebenen Studenten stolz als die größte private Fernhochschule bezeichnen.

Die AKAD Bildungsgesellschaft wiederum reagierte auf einen anderen Bedarf und richtete 1959 die erste private Fernfachhochschule ein. Zu den andere bekannten Häusern gehören die APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen, die Europäische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH), die Internationale Hochschule Bad Honnef – Bonn (IUBH), die Private Fachhochschule Göttingen, die Private Fachhochschule Nordhessen, die Private Fernfachhochschule Sachsen, die SRH Fernhochschule Riedlingen sowie die Wilhelm Büchner Hochschule in Pfungstadt.

Das ist auch alles ganz prima, aber … Die meisten Angebote können nur gegen entsprechendes Entgelt in Anspruch genommen werden, was sich partiell bereits in der Namensgebung mancher „privater“ Einrichtung widerspiegelt. Sicher kann ein Teil der Kosten durch die hauptberufliche Tätigkeit aufgefangen werden. Aber wenn das Studieren neben dem Beruf mehrere Hundert Euro kostet, kann in der Regel am Ende vom Geld noch reichlich viel Monat übrig sein. Sie müssen also weitere Finanzquellen auftun, wenn Sie Ihr Studium einigermaßen sorgenfrei angehen wollen.

 

Bewerben, fragen, feilschen, Schulden machen

Stipendien, wie das bereits angesprochene an der Fernuniversität Hagen, sind eine solche Möglichkeit. Auch andere Institutionen kooperieren in dieser Hinsicht mit dem BMBF. Die Begabtenförderung berufliche Bildung beispielsweise gewährt eine Qualifizierungsförderung von bis zu 6.000 Euro in einem Zeitraum von drei Jahren. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Webseite der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung – Gemeinnützige Gesellschaft (SBB).

Eine andere Möglichkeit staatlicherseits ist die sogenannte „Bildungsprämie“. Diesen können Erwerbstätige mit einem Jahreseinkommen von maximal 20.000 Euro beziehungsweise 40.000 bei Verheirateten beantragen. Wobei das aber nicht die einzigen Voraussetzungen sind. Welche Anforderungen sonst noch erfüllt sein müssen, ist auf der betreffenden Website Bildungsprämie zu finden.

Ein weiterer beliebter Rat, der Ihnen möglicherweise auch schon begegnet ist, lautet: Fragen Sie Ihre Verwandten, Ihre Familie! Wären Sie nicht von selbst darauf gekommen, oder? Klingt spöttisch? Mitnichten. Denn der Tipp ist gar nicht so ohne. Wenn nämlich das Potential tatsächlich vorhanden ist, sollten Sie die Chance ergreifen, und mit guten Gründen ein erfolgreiches Fundrasing versuchen.

Ebenso dienlich könnte ein Gespräch mit Ihrem Chef verlaufen. Überzeugen Sie ihn mit schlagenden Argumenten im Sinne des Betriebes. Vorausgesetzt, er gehört zu den Arbeitgebern, die es gerne sehen, wenn ihre Mitarbeiter sich weiter qualifizieren. Gerade auch deshalb, weil das nicht zuletzt ihrem Unternehmen zu Gute kommt. Sollte er Sie hingegen nicht persönlich empfangen können, gehen Sie den Weg über Ihren direkten Vorgesetzen oder den Personaler. Verhandelbar könnten, zum Beispiel, Kostenerstattung oder -übernahme, zusätzlicher Sonderurlaub oder angepasste Arbeitszeiten sein.

Wenn das alles nichts geholfen hat, oder für Sie nicht in Frage kam oder kommt, dann hilft vielleicht nur noch die Aufnahme eines sogenannten „Studienkredits“. Zum einen ist der Markt hierfür während der vergangenen Jahre stetig gewachsen, so dass sich hier etliche Anbieter tummeln. Zum anderen sind die Zinsen derzeit sehr günstig. Überstürzen Sie aber nichts. Informieren Sie sich detailliert und vergleichen Sie die jeweiligen Konditionen sorgfältig. Eine Anlaufstelle könnte beispielsweise die staatliche KfW Bankengruppe sein. Ein Online-Kreditrechner ermöglicht Ihnen auch gleich einen schnellen Überblick über die Höhe der Raten.