Im Gegensatz zu etlichen anderen Universitäten ist die Technische Universität (TU) Braunschweig nicht bekannt für ihr Angebot an Fernstudiengängen. Kann sie auch nicht. Denn im Prinzip gibt es hier nur einen echten, nämlich den „ProWater“, der zum Master führt. Im Teilzeitstudienbereich sieht es dagegen anders aus: Wer noch nicht-volljährige Kinder hat und diese erziehen muss, sich um kranke Familienmitglieder kümmert, selbst unter einer Behinderung oder chronischen, schweren Erkrankung leidet, darf einen Antrag auf Teilzeitstudium stellen. Auch gesell- und bürgerschaftlich Engagierten sowie Hochleistungssportlern und Erwerbstätigen steht die Möglichkeit offen, jeweils für die Dauer von zwei Semestern als 50-Prozent-Studierende zu agieren.




Das bedeutet gleichzeitig, dass die betreffenden Personen pro Semester aber auch höchstens halb so viele Leistungspunkte erreichen. Und sie können davon ausgehen, dass sich ihre Ausbildung pro Jahr an Regelstudienzeit um ein Semester verlängert. Oder anders ausgedrückt: Alles dauert doppelt so lange. Anderseits sinkt dafür der jeweilige Studienbeitrag um die Hälfte. Lediglich der Semesterbeitrag muss in Gänze beglichen werden.

Doch auch wenn es nun so scheint, dass mit dieser Variante alles unter einen Hut gebracht werden kann. Einen Wermutstropfen gibt es bei der Sache: Nicht alle der angebotenen Studiengänge sind für Teilzeit geeignet.

 

Fernstudium und Teilzeitstudiengänge

 

Fernstudium

Wie eingangs erwähnt, birgt „ProWater“ wenigstens eine Chance auf Bildung im Fernstudium an der TU Braunschweig: Wer bereits einen qualifizierten Bachelor in Ingenieur- oder Naturwissenschaften von einer anerkannten Hochschule in der Tasche hat, oder einen gleichwertigen Abschluss sowie ausreichende Deutsch- oder Englischkenntnisse nachweisen kann, darf sich für den Fernstudiengang bewerben. Eine berufspraktische Erfahrung von mindestens einem Jahr wird zwar ebenfalls vorausgesetzt. Diese kann aber bis spätestens zum Beginn der Masterarbeit noch nachgeholt beziehungsweise nachgewiesen werden.

Absolviert wird die Qualifizierung am Leichtweiß-Institut für Wasserbau, wo sie als multimediales System angelegt ist und mit dem Master of Science (M. Sc.) abschließt. Die Regelstudienzeit – drei Semester in Voll- oder sechs in Teilzeit – besteht aus einer Kombination von Präsenzphasen und Praktika von bis zu zwölf Tagen pro Semester.

Vermittelt wird bei diesem akkreditierten, zertifizierten, internationalen Studium spezielles Fachwissen unter dem Arbeitstitel „Nachhaltiges Management und Schutz von Gewässern“ („Sustainable Management and Protection of Water“). Entwickelt wurde es als innovatives und zukunftsorientiertes Arbeitsfeld für Ingenieure in Planungs- und Beratungsbüros, aber auch für deren Kollegen sowie Naturwissenschaftler in Industrie und Verwaltung mit Bezug zum Gewässerschutz.

Dem entsprechend umfasst der erstmals zum Wintersemester 2002/2003 eingeführte Studiengang Themen aus den Bereichen der Hydraulik, der Hydrologie und -chemie, der Mikrobiologie sowie der Behandlung von Abwasser und Abfällen samt entsprechender Umweltrichtlinien beziehungsweise Umweltgesetze.

Aufgrund dieser Bandbreite kann der tatsächliche Studienumfang auch individuell für jedes Semester von Neuem festgelegt werden. Beispielsweise können sich die Studierenden Vorleistungen anerkennen lassen, oder auch nur einzelne Kurse oder Lehreinheiten absolvieren und am Ende mit einem Zertifikat abschließen.

Teilzeitstudium

Die TU Braunschweig wird geschätzt für ihre qualifizierten Ausbildungen. 72 Studiengänge – davon 28 grundständig im Bachelor- und 40 im Master-Bereich, die klassisch durchgeführten Ingenieurwissenschaften – bei Uni-Rankings unter den Top 10 innerhalb Deutschlands –, interdisziplinäre Studiengänge, mit renommierten, internationalen Partneruniversitäten entwickelte Programme. Das alles wirkt wie ein großes Versprechen für jeden technisch und naturwissenschaftlich interessierten, potenziellen Studierenden.
Leider ist aber nicht jeder Studiengang für eine Teilzeitvariante geeignet. Für welche sie zutrifft und für welche nicht, sollte laut TU-Verwaltung am besten direkt mit der jeweils betreffenden Fakultät abgesprochen und gegebenenfalls geplant werden. Diese sind:

  1. Carl-Friedrich-Gauß-Fakultät (Mathematik, Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften)
  2. Fakultät für Lebenswissenschaften (Chemie, Pharmazie, Biowissenschaften, Psychologie)
  3. Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften
  4. Fakultät für Maschinenbau
  5. Fakultät für Elektrotechnik, Informationstechnik, Physik
  6. Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften

 

Da die TU selbst damit wirbt, keine Massenuni zu sein, sondern sehr viel Wert auf eine möglichst individuelle Betreuung ihrer momentan rund 17.200 Studis zu legen, sollte bei der Studienauswahl in jedem Fall das eine oder andere Gespräch geführt werden. Denn dank der modularen Struktur, der zahlreichen Vertiefungsrichtungen sowie der fächerübergreifenden Kooperationen zwischen den über 120 Forschungseinrichtungen ergeben sich mitunter Möglichkeiten, die allen Beteiligten dienen.

 

Der Teilzeitstudium-Check im Detail

Die Gründe, warum sich jemand für ein Teilzeitstudium entscheidet, sind äußerst vielfältig. Oft kosten sie die Betroffenen noch zusätzliche Energie. Nun bietet die TU Braunschweig ja schon Möglichkeiten an, Familie und/oder Beruf mit einer Universitätsausbildung zu verbinden. Aber stehen sie auch im richtigen Verhältnis mit den anderen Knotenpunkten? Die Antwort darauf geben die nachfolgenden – und wohl wichtigsten Eck-Pfeiler für die Studierenden – zumindest in einem groben Überblick.

 

Öffnungszeiten des Sekretariats

Eine Hauptanlaufstelle für die meisten Belange ist die Zentrale Studienberatung (ZSB). Sie ist im Studienservice-Center im Haus der Wirtschaft in der Pockelstraße 11 angesiedelt. An der Info-Desk 6 im barrierefrei zugänglichen Erdgeschoss ist jeder an der richtigen Stelle, der individuelle Erst- und Kurzauskünfte benötigt, Formulare oder sonstige Dokumente abholen und -geben möchte, oder sich für ein Gasthörerstudium anmelden will. Auch die Anträge für ein Teilzeitstudium werden hier angenommen.

Aber auch wer eine vertraulich durchgeführte, fächer- und themenübergreifende Beratung wünscht, kann das Sekretariat im Rahmen der offenen Sprechstunden ohne vorherige Anmeldung aufsuchen. Die ZSB ist von Montag bis Mittwoch zwischen 10 bis 15 Uhr besetzt, donnerstags von 10 bis 17 sowie freitags und vor Feiertagen von 10 bis 13 Uhr.

Überdies besteht die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme per Telefon montags bis donnerstags von 9 bis 17 und freitags von 9 bis 15 Uhr unter der Rufnummer 0531 391-4321. Außerhalb dieser Zeiten geht es auch per E-Mail.

 

Öffnungszeiten der Bibliothek

Die Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek (UB) kommen auch Teilzeit-Studierenden entgegen: Die Einrichtung kann montags bis freitags von 7 bis 24 Uhr, samstags von 10 bis 22 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr genutzt werden.

Ein Teil der Fachrichtungen selbst verfügt ebenfalls über Buch-Sammlungen und Literatur-Archive. Allerdings dann auch zu jeweils eigenen Öffnungszeiten. Die Studierenden der Carl-Friedrich-Gauß-Fakultät beispielsweise können noch die Bibliothek der Mathematischen Institute (BMI), die Bibliotheken der Informatik-Institute und die Bibliothek der Sozialwissenschaften (ISW) besuchen. Auch die Institute des Departement Wirtschaftswissenschaften  haben eigene Publikationsbestände.

Des Weiteren hält die Fakultät der Lebenswissenschaften mit den Schwerpunkten Chemie und Pharmazie, Biowissenschaften und Psychologie eine ganze Liste an Werk-Kollektionen bereit. Ähnliche Möglichkeiten bieten die Fakultäten Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften, sowie die Fakultäten für Maschinenbau, für Elektrotechnik, Informationstechnik, Physik und die Fakultät 6 – für Geistes- und Erziehungswissenschaften.

Als Ergänzung gibt es noch die „Digitale Bibliothek Braunschweig“. Der Publikationsserver der TU bietet Interessierten zu den vorgegebenen Nutzungsbedingungen rund um die Uhr Zugang.

 

Öffnungszeiten der Mensen

Wer nebenberuflich studiert hat nicht weniger Hunger und Durst als ein Vollzeit-Studi. Die gastronomischen Einrichtungen der TU in der Löwenstadt Braunschweig sind zum Teil auch darauf eingerichtet.

Die Küche der Mensa „360 Grad“ in der Katharinenstraße 1 hält montags bis freitags von 7 bis 10.30 Uhr ein Frühstücksangebot bereit sowie Essen von 11.30 bis 15 Uhr.

Die „Mensa 1“ – ebenfalls in der Katharinenstraße gelegen – hat montags bis freitags von 11.30 bis 14.30 Uhr und samstags von 11.30 bis 14.00 Uhr geöffnet. Dort kann aber auch abends gespeist werden, und zwar montags bis donnerstags von 16.30 bis 20.00 Uhr.

In der „Mensa 2“ , Beethovenstraße 15, werden die Gäste von Montag bis Freitag zwischen 11.30 und 14.15 Uhr verköstigt.

Die früheste Öffnungszeit ist unter den Cafeterien beim „Campus Pavillon“ im Bienroder Weg 85a mit 7 Uhr auszumachen, die längste hat das „Audimax“ in der Pockelstraße 15. Zumindest während der Semester ist hier zwischen montags und donnerstags bis 16.45 Uhr offen.

Generell andere Regeln gelten freitags und gegebenenfalls samstags sowie während der Ferienzeiten.

 

Öffnungszeiten Studierenden- und psychologische Beratung

Wer die Sozialberatung der TU benötigt, muss nicht einem der Personenkreise mit spezifischen Belangen angehören, wie beispielsweise Studierende mit Kind, ausländischem Hintergrund, chronischer Erkrankung oder Behinderung. Auch Studiosi in spe, ja sogar deren Eltern stehen die zuständigen Ansprechpartner beim Studienservice-Center im Haus der Wirtschaft, Pockelstraße 11, kostenfrei zu Diensten. Ganz gleich, ob es um Infos zur finanziellen Absicherung geht, oder um ein völlig anderes Thema: Die Sozialberatung fungiert wie ein zentraler Knotenpunkt in einem Netzwerk – zu denselben „Öffnungszeiten Sekretariat“ (Anker siehe oben).

Das Studentenwerk OstNiedersachsen ist eine weitere mögliche Anlaufstelle für Studierende, die Unterstützung und Hilfe suchen. Die Einrichtung ist allerdings nur von Montag bis Mittwoch und freitags von 10 bis12 Uhr besetzt – telefonisch unter 0531 391-4932 sowie persönlich am Fallersleber-Tor-Wall 10 (1. Etage). Hier befindet sich auch die psychotherapeutische Beratungsstelle. Wer zu diesen Zeiten keine Möglichkeit hat – eine Mail geht immer.

 

Kinderbetreuung

2006 wurde an der TU Brauschweig im Rahmen ihrer Auditierung nicht nur der Begriff „Familie“ klar definiert, sondern im Zuge dessen auch ein entsprechend umfassendes Kinderbetreuungsangebot entwickelt. Damit verdiente sich die Universität im März 2007 das Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“. Beschäftigten wie studierenden Eltern soll so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehungsweise Studium von Anfang an ermöglicht werden.

Dank diverser Einrichtungen in Kooperation mit dem Studentenwerk, der Stadtverwaltung, der regionalen Arbeiterwohlfahrt (AWO) sowie der örtlichen Polizeidirektion stehen Betreuungsmöglichkeiten in Kinderkrippen und -tagesstätten bereits für die ganz Kleinen ab zwei Monaten zur Verfügung. Stundenweise flexibel, halb- oder ganztags und während der Ferien. Die Kosten fallen unterschiedlich aus und hängen vor allem von der jeweils beanspruchten Institution sowie den Einkommensverhältnissen der Eltern ab. Weiterführende Informationen gibt es beispielsweise beim Familienbüro und beim Studentenwerk.

Besondere Oasen der TU sowie der Rückzugbereich „Eltern-Kind-Arbeitszimmer“ der Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften ergänzen das bestehende Angebot.

Einen ersten Eindruck zum Thema liefert auch der downloadbare Flyer „Kinderbetreuung in Braunschweig – ein Überblick“ (PDF, 3,92 MB).

 

Wohnsituation

In der Regel sind Studierende knapp bei Kasse und versuchen deshalb, die monatlichen Fixkosten so gering wie möglich zu halten. Das gilt selbstverständlich auch für diejenigen, die nebenbei studieren oder die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums in Anspruch nehmen. Zum Glück ist die Situation in Braunschweig so, dass die TU nicht überlaufen ist, und sich die Mieten sowie Lebenshaltungskosten noch auf recht vernünftigen Preisniveaus befinden. So könnte eine Wohngemeinschaft (http://www.wg-gesucht.de) (WG) eine praktische Lösung sein. WG-Zimmer sind durchaus schon für etwa 250 Euro zu haben. Wer lieber für sich in einem Ein-Zimmer-Appartement bleiben will, zahlt entsprechend mehr.

Eine günstigere Variante ist der Einzug in ein Wohnheim. Hier kostet ein Einzelzimmer derzeit ab 160 Euro monatlich. Das Studentenwerk OstNiedersachsen verfügt über mehr als 1.800 solcher Einheiten, die in insgesamt acht Wohnheimen untergebracht sind.

Wer erst in ein Studium schnuppern mag, oder mit der Suche nach einer Unterkunft zu lange gewartet hat, ergattert mit etwas Glück vielleicht wenigstens ein Bett. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU hat unter dem Titel „Couchsurfing“ eine Exchange Plattform eingerichtet, auf der Schlafplätze gesucht und angeboten werden können.

Ansonsten bleibt nur noch, auf ganz konventionelle Weise die Wohnungsanzeigen durchzugehen, zum Beispiel mittwochs und samstags in der Braunschweiger Zeitung beziehungsweise in deren Immobilien-Teil.

 

Teilzeitstudium-Check: die Bewertung

teilzeitstudium-check: die bewertung

Gute Beratungs- und Kinderbetreuungsmöglichkeiten, teilzeitstudienfreundliche Öffnungszeiten, jedoch nur ein reiner Teilzeitstudiengang – 4 von 5 möglichen Punkten [star rating=”4″]

Die TU Braunschweig ist eine sympathische Hochschule, die sehr um ihre Studierenden bemüht ist. Im Hinblick auf Teilzeitstudierende besteht jedoch noch Ausbau-Potenzial. So wären beispielsweise entsprechend spezielle Filter-Funktionen auf der Webseite der Uni hilfreich. Damit ließe sich mit wenigen Handgriffen beziehungsweise Klicks sehen, welche Studiengänge zum Beispiel GAR NICHT für dieses Modell geeignet sind.

Auch so manche Öffnungszeit zeigt, dass Teilzeiter nicht oder noch nicht als mögliche Zielgruppe erfasst wurden. Und das, obwohl die Tendenz in Richtung „nebenbei studieren“ weiter nach oben zeigt. Andererseits weist das Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“ darauf hin, dass sich die Verantwortlichen an der TU durchaus der Anforderungen bewusst sind. Und das lässt hoffen, dass sie künftig auch in dieser Richtung weiterarbeiten werden.